Facebook Reactions

Facebook Reactions – Überlebens-Lektion für Unternehmen

Dieser Post erschien zuerst bei LinkedIn.

Ende Februar 2016 servierte Facebook seinen zum Kultsymbol gewordenen „Gefällt mir“-Button ab – und löste damit in der Social Media-Welt ein veritables Erdbeben aus. Mit den neuen Facebook Reactions können nun Milliarden von Facebook-Nutzern weltweit ihre Emotionen zu den Posts aus ihrer Facebook-Timeline viel differenzierter ausdrücken. (Im Moment sind das: „Love“, „Haha“, „Wow“, „Traurig“ und „Wütend“, alle durch ein eindeutiges Emoticon symbolisiert).

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Screenshot: Facebook

Nur für´s Protokoll: den originalen „Gefällt mir“-Button auf Facebook gab es seit 2009. Tatsächlich war in der Planungsphase ein „Fantastisch“-Button vorgesehen, ausgestattet mit einem Stern- oder Pluszeichen-Symbol. Am Ende setzte sich aber das uns allen bekannte Feature – dargestellt durch die Hand mit „Daumen hoch“-Zeichen – durch. Ein Jahr nach dem Launch hatte sich das Feature zum echten Erfolg gemausert, und Facebook verkündete, dass täglich mehr als 10.000 Websites die Funktion übernehmen würden.

Die Unzufriedenheit mit dem „Gefällt mir“-Button brodelte jedoch schon länger. Jahrelang forderten die Nutzer einen „Gefällt mir nicht“-Button, weil ein „Daumen hoch“ für einen Post mit traurigem oder enttäuschendem Inhalt nicht wirklich sinnvoll ist. Gleichzeitig brauchten auch die Nutzer mobiler Endgeräte einen schnelleren und einfacheren Weg, um Content jenseits des eindimensionalen „Gefällt mir“-Buttons zu kommentieren. Dies gilt heute mehr denn je, da Facebook zu einer wichtigen Nachrichtenquelle geworden ist, und die Menschen nach Möglichkeiten suchen, differenzierter mit der Vielfalt der auf der Plattform gezeigten Inhalte zu interagieren.

Und bis jetzt sieht es ganz so aus, als ob Facebook den richtigen Schritt getan hat. Facebook Reactions wird weitgehend positiv bewertet. Oder wie Brian Blau, Analyst von Gartner Research, es formuliert: „Mit diesen Emojis können Sie Ihre Gedanken und Gefühle zu Facebook-Posts näher eingrenzen.“

Allerdings ist Facebook nicht das einzige soziale Netzwerk, das positive Rückmeldungen auf die Änderung eines seiner bekanntesten Features bekam. Im vergangenen Jahr tauschte Twitter sein „Favoriten“-Sternsymbol gegen ein eigenes „Gefällt mir“-Symbol in Herzform aus. Ein Schritt, von dem Kevin Weil, der frühere stellvertretende Direktor von Twitter, sagte, er habe die Aktivitäten auf der Plattform allein in der ersten Woche um sechs Prozent erhöht.

Das zeigt, wie wichtig es im heutigen, sich schnell verändernden digitalen Konsumentenumfeld ist, das von mir so genannte „Produktdogma“ zu vermeiden. Die Technologien entwickeln sich ständig weiter, und die Nutzererfahrungen müssen damit Schritt halten. Die Plattformen – auch die Facebooks und Twitters dieser Welt – müssen sich anpassen. Sogar wenn das bedeutet, Funktionen zu entfernen, die einst Kultfaktor hatten oder als grundlegend galten. Auf dem Markt ist für Nostalgie kein Platz, und die Nutzer wandern in andere Plattformen ab, um das Gesuchte zu finden.

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Bild aus Facebook

Auch ich habe mit diesem Thema schon gerungen. Zum Beispiel, als wir von Hootsuite vor ein paar Jahren das neue Produkt-Feature ‘Conversations’ herausbrachten. Über Conversations konnten die Nutzer in Unternehmen Nachrichten direkt auf unserem Dashboard veröffentlichen und beantworten. Schlussendlich stellte sich aber heraus, dass das Feature unsere Kunden eher verwirrte anstatt ihnen zu helfen. Also stampften wir es wieder ein. Das fiel uns nicht gerade leicht, nachdem soviel Zeit investiert worden war. Doch der Fall demonstriert das Spannungsfeld zwischen den Wünschen der Kunden und der Verpflichtung, der Produktphilosophie treu zu bleiben. Schließlich nahmen Firmen wie Slack die Herausforderung des „Social Networking am Arbeitsplatz“ an und machten ihre Sache ausgezeichnet. Conversations zu den Akten zu legen, war definitiv die richtige Entscheidung.

Der Markt hat seine ganz eigene Art zu sagen, was Sache ist. Um zu überleben, müssen Plattformen wie Unternehmen offen für Entwicklungen sein, um den Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden. Eine Lektion, mit der Twitter möglicherweise schon wieder zu kämpfen hat, zieht die Plattform doch in Erwägung, ihre charakteristische 140 Zeichen-Beschränkung aufzuheben.

Wie schon Charles Darwin einst sagte: „Nicht die stärkste oder intelligenteste Spezies überlebt, sondern jene, die sich am besten an Veränderungen anpassen kann.“ In einer sich immer schneller verändernden Technikwelt könnte dies ein wertvoller Ratschlag sein.

 

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