Soziale Netzwerk Peach

Top oder Flop? Was Sie jetzt über das neueste soziale Netzwerk Peach wissen müssen.

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht.

Das Pfirsich (engl.: „peach“)-Emoji wurde binnen kürzester Zeit bekannt – und jeder Betrachter begriff sehr schnell, dass damit nicht die Frucht gemeint war. An einem Freitag im Januar stellte sich dann heraus, was dahintersteckte: ein neues soziales Netzwerk mit der durchaus attraktiven URL peach.cool entwickelte sich sehr schnell zur neuesten Obsession unter Social Media-Alleskennern. Mittlerweile ist Peach auch in den deutschsprachigen Medien angekommen, zumindest in denen, die sich wie t3n mit brandaktuellen Social Media-Themen beschäftigen.

Einen derartigen Hype um ein neues soziales Netzwerk haben wir seit der hektischen Begeisterung (und späteren Enttäuschung) um Ello nicht mehr erlebt. Peach hat die Neugier von Social Media-Profis und Digital-Marketing-Fachleuten geweckt, was zu einem starken Ansturm auf die besten Nutzernamen führte. Alle wollten möglichst schnell auf dem neuen sozialen Netzwerk vertreten sein. Derzeit weiß noch niemand, ob Peach das nächste große Ding oder ein gigantischer Flop sein wird, der nur Platz auf dem iPhone wegnimmt – und genau diese Unsicherheit ist das Beste daran!

Für Social Media-Manager ist ein derart schneller Aufstieg eines neuen sozialen Netzwerks eine Belastung: schon wieder eine Plattform, auf der man mit der eigenen Marke vertreten sein muss! Für Leute, die sich in ihrer Freizeit als Social Media-Stars betätigen, ist Peach hingegen die Chance, sich wieder wie ein Kind zu fühlen und zum ersten Mal etwas ganz Neues zu erleben. Und die Neugier siegt bekanntlich immer.

peach-social-network

Als ich mit Peach zu experimentieren begann, bombardierten meine Kollegen mich mit Fragen über die App: Was ist das? Was kann man damit machen? Wo kriege ich es her? Ist das wie Snapchat? Werden da auch Unternehmen einsteigen müssen? Wie sieht’s mit dem Return on Investment aus? (Bei der letzten Frage handelte es sich wahrscheinlich um einen Witz.)

Für mich selbst ist es jedes Mal eine große Freude, wenn ein neues soziales Netzwerk auf den Plan tritt – schließlich ist gerade das Unbekannte reizvoll und interessant. Es gibt noch keine Anwendungsfälle und keine empfohlenen Normen; stattdessen bahnt man sich völlig unabhängig seinen Weg durch den Dschungel und bestimmt selbst mit, wie eine neue Community aussehen soll.

Vor diesem Hintergrund habe ich ein paar Anregungen formuliert, wie man mit einem neuen sozialen Netzwerk umgehen sollte.

Probieren Sie es aus

Spielen Sie herum. Machen Sie etwas kaputt, wenn es sein muss. Vergessen Sie alle Ratschläge zur Verwendung etablierter Netzwerke wie Twitter oder Facebook. Bei Peach schaffte ich es zum Beispiel, ein paar coole animierte GIFs zu basteln, die anscheinend sehr vielen Betrachtern gefielen. Ich pfuschte auch ein bisschen mit der Zeichenfunktion herum und bewarf ein paar Leute mit Torten. Das fing als unschuldiger Spaß an, indem man anderen zuwinkte, eskalierte aber sehr schnell zur Tortenschlacht. Ich war ein wenig gekränkt, als mich daraufhin jemand unter Quarantäne stellte, fand aber sehr schnell heraus, was man auf Peach noch alles mit seinen Freunden anstellen kann. Es funktioniert ähnlich wie die „Anstupsen“-Funktion von Facebook – aber auf Steroiden.

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Peach-Screenshot

Betrachten Sie es als Mannschaftssport

Das Erkunden neuer sozialer Netzwerke ist ein Mannschaftssport. Auf eigene Faust kann man nur in begrenztem Maße Dinge herausfinden – und dann braucht man Freunde, die einem weiterhelfen. Als ich gerade auf meinem iPhone mit Peach herumspielte, entdeckte mein Kollege Adam Houghton ein Benutzerhandbuch mit Kurzbefehlen, die eine Unmenge neuer Funktionalitäten eröffneten. Stellen Sie sich das so vor, als hätten Sie gerade vom Konami-Code für die Playstation erfahren – so aufregend fanden wir unsere Entdeckung!

Plötzlich konnte ich meinen Standort bei Peach angeben, nach GIFs suchen und sie mit anderen teilen oder auch das aktuelle Wetter an meinem derzeitigen Aufenthaltsort in mein Profil einfügen. So war die Peach-App mit einem Schlag noch attraktiver und regte mich zu weiteren Experimenten an.

Profitipp: Wenn Sie beim Posten von Beiträgen „Hilfe/Help“ eingeben, verrät Ihnen die App die gesamte Liste der „Magic Words“.

Peach Post

Spionieren Sie Ihre Freunde aus

Beobachten Sie, was Ihre Freunde auf der App tun. Macht einer von ihnen etwas Cooleres als Sie? Wahrscheinlich ja. Als ich im Peach-Feed meines Kollegen Matt Diederichs sah, dass sich dort ein paar interessante Dinge abspielten, entdeckte ich zusätzlich Funktionen wie Kommentare und Bewertungen. Da mir Matt auch mit den Leuten, denen er folgte, ziemlich voraus war, sah ich mir seine Freundesliste genauer an und fand dort etliche Nutzer, denen ich ebenfalls folgen wollte.

Eine weitere praktische Methode, Freunde zu finden (was in Peach nicht ganz einfach ist), ist das Durchsuchen des eigenen Adressbuchs, indem man einfach seine Telefonnummer eingibt. Ich überprüfe täglich, ob neue Freunde auf Peach sind – dadurch kann ich mit mehr Menschen in Kontakt bleiben und meinen Content dementsprechend interessant gestalten.

Eignet sich Peach für Marken?

Bald wird die unvermeidliche Frage auftauchen, ob Peach auch für Unternehmen wichtig ist.

Der Trend geht eindeutig zu Apps, die mehr als nur Kombinationen aus Text und Bild anbieten. Twitter und Facebook haben bereits GIFs zu ihren Funktionalitäten hinzugefügt; bei Instagram gibt’s jetzt Video; Snapchat bietet seinen Nutzern eine Mischung aus Filtern und leicht zu erstellenden Medien. Diese Veränderungen sind darauf ausgerichtet, soziale Netzwerke wieder spannender zu machen, damit sie nicht an Reiz verlieren.

„An Peach gefällt mir besonders, dass Social Media dadurch wieder unterhaltsamer werden“, sagt Diederichs, der bei Hootsuite als Experte für Social Media-Kampagnen arbeitet. „Man findet dort all die kleinen Fragen und geheimen Ausdrücke. Es macht mehr Spaß als das geschäftliche oder seriöse Engagement.“

Wie bei jedem Netzwerk kann es aber auch hier ganz schön schwierig sein, den geschäftlichen Wert zu identifizieren. Laurie Dillon-Schalk, Vizepräsidentin für Strategie und Business-Einsichten bei der FUSE Marketing Group, stellt in Frage, ob Peach für Marken geeignet ist: „Man hat den Eindruck, als würde  dort gerade ein Goldgräber-Run nach Markennamen und besonders vielen Followern entstehen. Ich glaube, dass die Glaubwürdigkeit vieler Peach-Accounts fragwürdig bleibt, solange es weder eine Verifikations-Option noch Bios oder weitere Fixpunkte gibt, die bei anderen sozialen Netzwerken eine wichtige Rolle spielen. Und bis jetzt ist mir auch noch nicht klar, wie sich Peach als Option für Earned Media (= unabhängig erstellte Inhalte) etablieren will.“

Peach Post

Was mir an Peach gefällt

Nachdem ich fast ein ganzes Wochenende mit dem Erkunden von Peach zugebracht habe, möchte ich Ihnen jetzt meine Lieblings-Features vorstellen.

In Sachen GIF konnte ich zuvor nie so richtig mit meinen jüngeren, kulturell besser vernetzten Kollegen mithalten. Peach hat dieses Problem für mich gelöst: Mit dem „GIF Selector“ der App kann man nach Schlagworten suchen und den eigenen Feed sehr schnell mit einer Vielzahl von GIF-Optionen attraktiver machen. Und das alles funktioniert völlig reibungslos.

Facebook fragt „Was machst du gerade?“, während Twitter einen mit „Was gibt’s Neues?“ zum Posten neuer Beiträge auffordert. Beide Fragen sind ziemlich allgemein und nicht immer leicht zu beantworten – daher stellt man manchmal lieber keine neuen Inhalte online. Bei Peach hingegen gibt es eine ganze Reihe von Eingabeaufforderungen wie „Ohne was könntest du nicht leben?“ oder „Von welchem Produkt würdest du gern einen Vorrat auf Lebenszeit gewinnen?“ Dies ist eine durchaus interessante Methode zum Motivieren der Benutzer.

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Peach-Screenshots

An Peach gefällt mir auch, dass ich hier andere Leute nicht nur anstupsen kann. Die Auswahl an Interaktionsmöglichkeiten ist hier viel größer und witziger – obwohl es vielleicht ein bisschen heikel ist, wenn man einem seiner Social Media-Freunde „den Ehering an den Finger steckt“. Aber möglicherweise wartet er oder sie ja genau darauf …

Wenn man „Guten Morgen!“ in seinen Feed tippt, fügt Peach automatisch das aktuelle Wetter und die Uhrzeit hinzu. Das ist ganz praktisch, wenn man wissen will, wann man in letzter Zeit aufgestanden ist – oder wenn man im Urlaub vor seinen Freunden, die zu Hause frieren, mit dem schönen warmen Wetter angeben will.

Die einzelnen Beiträge scheinen jeweils nach 48 Stunden zu verschwinden. Ich bin seit langer Zeit Twitter-Nutzer und fände es ganz nett, wenn auch dort ältere Beiträge nicht für den Rest meines Lebens vorhanden und durchsuchbar wären. Eine Lebensdauer von 48 Stunden kommt mir für Social Media-Content gerade richtig vor. Diese Zeitspanne sorgt auch dafür, dass die Benutzer öfter bei Peach vorbeischauen und sich an den Umgang mit der App gewöhnen, weil sie keine Beiträge von Freunden verpassen wollen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Peach sich eher als Messaging-App denn als soziales Netzwerk versteht.

Manchmal möchte man seine Nachrichten (oder Teile davon) auch besonders hervorheben; dazu eignet sich bei Peach die einfach zu bedienende Funktion, Text fett zu machen.

Profitipp: Geben Sie „Shout/Schreien“ ein, wenn Sie einen Beitrag posten, um die folgende „Magic Words“-Option zu aktivieren:

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Da ich ein iPhone besitze, fand ich es besonders gut, dass Peach anfangs nur auf iPhones funktionierte – ein wenig Exklusivität ist doch immer was Schönes. Mittlerweile ist es allerdings auch für Android erhältlich, sodass noch mehr User ihre Freunde auf Peach unter Quarantäne stellen können …

Was mir an Peach nicht gefällt

In der Anfangszeit hat die App immer wieder einige von uns selbständig abgemeldet und damit rausgeworfen. Möglicherweise handelte es sich dabei um ein Social Media-Experiment, mit dem man die Benutzer dazu bringen wollte, sich ihr neues Passwort zu merken; es nervte jedenfalls. Anscheinend arbeitet Peach aber bereits an einer Behebung dieses Fehlers.

Leider fehlt die Option, Freunde nach Usernamen zu suchen. Man kann zwar den Usernamen eingeben, damit der betreffende Freund eine Benachrichtigung erhält – aber wenn man sich vertippt, kann man keinen Kontakt zu ihm herstellen. Und prinzipiell gefällt mir ja auch die Möglichkeit ganz gut, die Entscheidung über eine Freundschaftsanfrage zu verschieben; ich weiß nur nicht, ob die paar Leute, deren Anfragen ich nicht sofort angenommen habe, je wieder auftauchen werden …

Man sieht leider auch nicht schnell und problemlos, was Freunde auf Peach teilen. Darüber haben sich etliche meiner Freunde bei Peach beklagt.

Wie bei jedem neuen Netzwerk will man auch hier so rasch wie möglich neue Freunde finden. In den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eignete sich der „Freunde deiner Freunde“-Feed auch ganz gut dazu, mögliche Bekannte auf Peach zu entdecken. Dann wurden allerdings so viele gefälschte Konten angelegt, dass diese Funktion mittlerweile sinnlos geworden ist.

In diesem Zusammenhang sollte ich auch erwähnen, dass ich ganz und gar kein Fan der unzähligen gefälschten Konten bin, die bei Peach in den ersten Tagen – als sich jeder die besten Usernamen sichern wollte – entstanden sind. Im Endeffekt wirkt sich das sehr störend aus. Bisher mag ich Peach vor allem deswegen, weil es hier ruhiger und übersichtlicher zugeht als in meinen Facebook- und Twitter-Feeds, die mittlerweile komplett außer Kontrolle geraten sind.

Was mir auch missfällt, sind die vorgegebenen Privatsphäre-Einstellungen, die es auch Freunden von Freunden ermöglichen, meinen Content zu sehen. Ich verstehe zwar, dass die Peach-Macher ihr Netzwerk dadurch attraktiver machen wollen, indem Sie den Benutzern gerade in der Anfangszeit, wenn noch nicht viel veröffentlicht wird, Zugang zu mehr Original-Content geben – doch ich fürchte, dass die meisten Leute keine Ahnung haben, mit wem sie ihre Inhalte da teilen.

Ich lasse meine Freunde auch gern wissen, welchen Song ich gerade spiele. Das Problem bei Peach war nur, dass die entsprechende Funktion dafür sorgte, dass ich den Song auf Spotify nicht mehr abspielen konnte; daher gab es dann auch keine Musik, die von der App identifiziert werden konnte. Und als ich das erste Mal versuchte, einen Song von Peach erkennen zu lassen, nannte die App den falschen Titel. Erst beim zweiten Mal erkannte sie richtig, dass ich gerade „Regulate“ von Warren G spielte.

Abschließende Gedanken

Peach ist eine unterhaltsame und interessante App, die das Alltägliche und Banale wieder spannend macht. Sie vereint Elemente von Facebook, Twitter, Snapchat, Foursquare, Shazam und vielen anderen Diensten in sich. Damit ähnelt sie in mancher Hinsicht der App Path, an die sich manche Leser vielleicht noch erinnern. Im Großen und Ganzen ist Peach sehr bedienungsfreundlich – ob es allerdings auch einen Wert für Marken und Unternehmen hat, wird sich wohl erst herausstellen. Bis dahin seien Sie neugierig, erkunden Sie das neue Netzwerk und amüsieren Sie sich dabei!

 

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