Das Urheberrecht gehört zu den meist diskutierten Online-Themen. Reformen werden auch in der EU eingefordert, die Art und Weise bleibt umstritten. Doch wie die kürzliche Einigung der GEMA mit YouTube zeigt, sind selbst starke Kontrahenten in der Lage einen Konsens zu erzielen. Ob Text, Musik oder Bilder: in den sozialen Medien aktive Unternehmen sind gut beraten, fremde Leistungen nicht einfach für ihre eigenen Belange zu verwenden. Doch nicht jeder Social Media-Beauftragte kennt sich im Detail mit den Voraussetzungen für eine Verwertung fremder Inhalte aus – besonders, wenn es um Bildrechte geht.

Sie kennen das Problem: Ihr neuer Social Media-Post steht. Die Botschaft, die Sie damit vermitteln möchten, sitzt auf den Punkt. Nun wissen Sie aber, dass Ihr Beitrag auch ein Foto braucht, um zu möglichst vielen Interaktionen anzuregen – immerhin führen Fotos zu 35 Prozent mehr Retweets, und Facebook-Posts mit Fotos erhalten sowohl mehr „Gefällt mir“-Angaben als auch mehr Kommentare.

Und Sie haben das perfekte Bild für Ihren Post auch schon gefunden. Es gibt nur einen Haken bei der Sache: Sie wissen nicht, ob Sie das Foto verwenden dürfen, weil Sie beim Thema Bildrechte nicht so richtig durchblicken.

Da sind Sie nicht der einzige. Auch ein paar wirkliche Größen sind bei der Bildbeschaffung und im Hinblick auf die Urheberrechtsgesetze bei Fotos schon ins Fettnäpfchen getappt.

Hören Sie also lieber auf Ihre innere Stimme, die Ihnen zu flüstert, dass Sie über die Regeln bei Bildrechten genau Bescheid wissen sollten – ein Irrtum kann nämlich schwerwiegende Folgen haben. Im Folgenden erfahren Sie alles, was Sie wissen sollten, bevor Sie online ein fremdes Foto teilen.

Was sind Bildrechte?

Das Urheberrecht (= Copyright) schützt grundsätzlich geistiges Eigentum und damit sämtliche kreativen Werke. Wer sich durch die einschlägigen Bestimmungen durchackern will, hat gut zu tun – auch wenn er/sie eigentlich nur Bilder für Social Media-Posts finden möchte. Aber denken Sie daran, dass dieses Recht auch Ihnen zugute kommt. Schließlich schützen die Copyright-Gesetze, die die Rechte eines Fotografen auf seine Bilder absichern, auch Ihre Rechte auf alle von Ihnen erstellten Inhalte, die Sie online teilen.

Was genau ist also das Foto-Copyright? Die Copyright-Bestimmungen unterscheiden sich je nach Land in manchen Einzelheiten, aber im wesentlichen legt das Urheberrecht fest, wer der Inhaber eines kreativen Werks ist und wie dieses Werk genutzt werden darf. In Deutschland heißt es im Urheberrechtsgesetz (UrhG), dass nur der Urheber das Recht hat,

  • … das Werk zu vervielfältigen;
  • … das Werk öffentlich zu verbreiten; und
  • … das Werk öffentlich auszustellen.

Das deutsche Urheberrechtsgesetz können Sie auf Wikipedia studieren.

Kurz gesagt: Wenn Sie ein künstlerisches oder geschriebenes Originalwerk geschaffen haben, gehört dieses Werk Ihnen, auch wenn Sie es nie bei einer Behörde für Urheberrecht oder bei einer anderen amtlichen Stelle angemeldet haben. Ihre Rolle als Inhaber des Werks verleiht Ihnen das alleinige Recht, Ihr kreatives Erzeugnis auszustellen und zu vervielfältigen.

Verwenden Sie also ein Foto, das jemand anderer geschaffen hat, ohne die Erlaubnis des Fotografen/Inhabers einzuholen, dann könnte es gut sein, dass Sie die Bildrechte verletzen – auch wenn der Urheber das Bild öffentlich auf Twitter, Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk gepostet hat.

Was ist Creative Commons?

Creative Commons ist ein System, das es Urhebern ermöglicht, Ihre Werke für bestimmte Nutzungen zur Verfügung zu stellen, ohne dass dafür eine explizite Erlaubnis erteilt werden muss. Vielleicht haben Sie in Netzwerken wie Flickr, Wikipedia oder YouTube schon Creative Commons (oder CC)-Lizenzen gesehen. Es gibt mehrere unterschiedliche solcher Lizenzen, deren Bandbreite von stark eingeschränkt (Sie dürfen das Bild mit Quellenangabe und nur für nichtgewerbliche Zwecke verwenden, es aber nicht verändern) bis völlig frei reicht.

Um sicherzugehen, halten Sie nach Bildern Ausschau, die nur eine Namensnennung des Urhebers erfordern oder mit einer Creative Commons Zero (CC0)-Lizenz freigegeben sind.

Die Namensnennung-CC-Lizenz sieht so aus:

Bild: Creative Commons

Wenn Sie ein unter dieser Lizenz veröffentlichtes Bild verwenden, müssen Sie den Namen des Urhebers angeben.

Die CC0-Lizenz sieht so aus:

Bild: Creative Commons

Bilder mit dieser Lizenz können Sie zu jedem Zweck verwenden, ohne den Namen des Urhebers angeben zu müssen. Informationen über CC auf Deutsch finden Sie hier.

Wann dürfen Sie das Bild eines anderen Urhebers verwenden?

Einfach ausgedrückt: Sie dürfen das Bild eines anderen Urhebers verwenden, wenn Sie von ihm die Erlaubnis dazu erhalten haben. Das bedeutet nicht, dass Sie jedes Mal, wenn Sie ein Bild verwenden wollen, den Fotografen anrufen müssen. Creative Commons-Bilder sind ein gutes Beispiel dafür: Die Lizenzen selbst zeigen die jeweilige Erlaubnis schon an, also ersparen Sie sich jede weitere Aktivität.

Einfach, schnell und problemlos lassen sich Fotos über einen unternehmenseigenen Hashtag oder aus einem Instagram-Wettbewerb regrammen – wenn Sie sich an die Regramming-Regeln halten, also beispielsweise den Urheber des Werks nennen.

Eine andere wunderbare Möglichkeit sind Seiten mit lizenzfreien Fotos. Auf Websites wie iStock stehen riesige Fotobibliotheken für praktisch jeden Inhalt zur Verfügung; die Lizenzgebühren richten sich nach der Bildgröße und dem beabsichtigten Verwendungszweck. Angesichts der Qualität der verfügbaren Bilder und der gigantischen Auswahl lohnt es sich für viele Unternehmen, ein Abo bei einem hochwertigen Anbieter von lizenzfreien Fotos abzuschließen.

Wo finden Sie kostenlose Bilder für Ihre Social Media-Posts?

Websites mit lizenzfreien Gratisfotos

Wer kein Budget für lizenzfreie Bilder zur Verfügung hat, für den gibt es glücklicherweise eine Menge Angebote für lizenzfreie Gratisfotos. Einige dieser Seiten, wie z. B. Gratisography, werden von den Fotografen selbst betrieben und bieten eine breite Palette an Bildern an, von nutzwertig bis bizarr.

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Dieses Foto würde sehr gut zu einem Beitrag über Fernweh passen.

Bild: Gratisography

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Sollten Sie mal einen Wassermelonenkopf benötigen – auch den gibt es hier.

Bild: Gratisography

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Andere Webseiten, wie Unsplash, sammeln Bilder mit einer Creative Commons Zero-Lizenz – das heißt solchen, die Sie ohne Namensnennung zu jedem beliebigen Zweck verwenden können.

Bild: Benny Jackson

Erweiterte Bildersuche von Google

Sie können die Bildersuche von Google zum Aufspüren von kostenlosen Bildern verwenden, sollten dabei aber äußerst sorgsam vorgehen. Prinzipiell müssen Sie die Erweiterte Bildersuche benutzen, in der Sie festlegen können, dass Sie nach Bildern suchen, die „frei zu nutzen oder weiterzugeben sind – auch für kommerzielle Zwecke“.

Bild: Erweiterte Bildersuche von Google

Doch auch dann empfiehlt es sich, das betreffende Bild anzuklicken, um auf dessen Website zu überprüfen, ob die entsprechende Lizenz tatsächlich vorhanden ist.

Die Fotolizenz ist hier ganz rechts im Bild zu sehen, gleich über dem „Free Download“-Button; Bild: Pixabay

Flickr

Auch Flickr eignet sich sehr gut für die Suche nach Creative Commons-Bildern. Hier sollten Sie ebenfalls sicherstellen, dass Sie nur nach Bildern suchen, die für die von Ihnen beabsichtigte Verwendungsart freigegeben sind.

Bild: Flickr

Dass ein Foto auf Flickr steht, heißt nicht automatisch, dass Sie es verwenden dürfen. Bei vielen Bildern auf dieser Foto-Sharing-Site sind alle Rechte vorbehalten, oder es gilt eine Creative Commons-Lizenz, die die Nutzungsarten einschränkt.

Bildrechte mögen Ihnen bei der Suche nach einem Foto für Ihren nächsten Social Media-Post als lästige Unannehmlichkeit erscheinen. Rufen Sie sich daher in Erinnerung, dass dieselben Urheberrechtsgesetze auch alle Inhalte, die Sie selbst erstellen und online teilen, vor Missbrauch schützen. Es gibt so viele legitime Quellen für Gratisbilder, die Sie in den sozialen Medien teilen können, dass die Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke ohne Erlaubnis einfach unentschuldbar ist. Sowas ist nämlich nicht nur dem jeweiligen Fotografen gegenüber unfair, sondern setzt auch Sie und Ihr Unternehmen einem Risiko aus.

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Dieser Beitrag erschien zunächst unter dem Titel „Can I Use This Photo on Social Media? Understanding Image Copyright“ auf dem internationalen Hootsuite Blog.