Live-Streaming: Warum Meerkat und Periscope das nächste große Ding nach Twitter sind

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March 17, 2016

Die Diskussion um „Meerkat oder Periscope?“ wird immer heißer. Hinter all dem gegenwärtigen Rummel um diese speziellen Apps verbirgt sich jedoch eine viel umfassendere Frage: Stehen wir an der Schwelle einer neuen Social Media-Revolution rund um das Live-Streaming digitaler Videos – oder ist das alles nur ein künstlich aufgebauschter Hype? Schließlich ist die zugrundeliegende Technologie ja nicht gerade bahnbrechend; Video-Live-Streaming gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt. Bekannte Unternehmen aus dieser Branche, wie z. B. Livestream und Ustream, blieben jedoch relativ erfolglos, obwohl sie schon vor Jahren App-Versionen ihrer Dienste angeboten haben.

Warum Periscope & Meerkat wirklich bahnbrechend sind

Doch diesmal ist alles anders. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern haben neue Apps wie Meerkat und Periscope heute bessere Erfolgschancen als je zuvor. Das liegt an mehreren wichtigen Faktoren: Zum einen leben wir in einer Welt, die vor allem mit Mobilgeräten online geht. Man muss sich nur die atemberaubende Zahl von mittlerweile zwei Milliarden Menschen vor Augen halten, die 2016 ein Smartphone besitzen werden. Das bedeutet, dass die Technik zur Erstellung und zum Konsumieren von Live-Videos noch nie zuvor so problemlos zugänglich war. Der Zeitpunkt für eine Streaming-App könnte also gar nicht besser sein.

Zum anderen haben wir während der letzten Dekade ein beispielloses Wachstum hinsichtlich der Nutzung sozialer Medien erlebt. Seiten wie Facebook, Instagram, Vine und Snapchat teilen sich derzeit mehrere Milliarden aktive User. Und noch viel wichtiger: diese Nutzer haben sich bereits daran gewöhnt, Einzelheiten aus ihrem Leben öffentlich zu machen. Es ist zur allgemein anerkannten Form der Massenkommunikation geworden, intime und persönliche Momente über den Weg von Fotos und Videos mit anderen zu teilen. Mit anderen Worten: Die Kultur des Social Sharing ist an einem Punkt angelangt, wo sich eine App wie Periscope durchsetzen kann.

Zu guter Letzt haben Apps wie Meerkat und Periscope den einmaligen Vorteil, an bereits existierende Social Media-Schnittstellen (Social Graphs) andocken zu können. Wer Periscope im Zusammenhang mit einem Netzwerk wie Twitter nutzt, kann dort auf sein bereits vorhandenes Zielpublikum zugreifen und muss nicht erst mühsam neue Zuschauerschichten erschließen. Dadurch erhöht sich natürlich auch das Potenzial für eine virale Verbreitung online gestellter Inhalte. (Meerkat-User haben zwar noch keinen Zugang zum Social Graph von Twitter – aber vielleicht springt ja demnächst ein anderes großes Social Media-Netzwerk wie Facebook auf den Zug auf.) Jedenfalls war diese Funktionalität in früheren Streaming-Technologien noch nicht verfügbar.

Das Zusammenwirken all dieser Faktoren sorgt dafür, dass der Trend zum Video-Streaming kurz vor dem Durchbruch steht. Und wenn diese Dynamik anhält, dann werden sich die sozialen Medien und unser Online-Verhalten in einer Art verändern, wir wir uns das bisher gar nicht vorstellen konnten.

Folgen für Wirtschaft, Politik und Privatleben

Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus hat der Live-Streaming-Trend geradezu enorme Auswirkungen. Man muss sich das vorstellen wie YouTube – nur ohne das mühsame Uploaden. Wenn künftig also jeder sofort als Live-Fernsehsender agieren kann, unabhängig von seinem aktuellen Standort, dann verändert dies auch die Content- und Marketing-Politik, und zwar grundsätzlich. Sollte dieser Trend wirklich abheben, dann dürfen wir mit einer Flut von Echtzeit-Kampagnen und -Persönlichkeiten rechnen, die die Medien- und Kommunikationslandschaft total auf den Kopf stellen. Bedenken Sie aber, dass ein solcher Wandel nicht über Nacht erfolgen kann und wird. Wollen Apps wie Meerkat und Periscope sich als Business-Tools durchsetzen, so müssen sie erst einmal entscheidende Verbesserungen an ihrer Funktionalität und Benutzerschnittstelle vornehmen – etwa Live-Streams, die man leichter finden und nachverfolgen kann, oder auch Kommentare, die sich erfassen und archivieren lassen, statt nach wenigen Sekunden wieder zu verschwinden.

How many Meerkats do you see in this photo? #Meerkat @appmeerkat #HootsuiteLife

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In nächster Zukunft hat dieser Typ von Video-Live-Streaming das Potenzial, auch die alltägliche zwischenmenschliche Kommunikation auf vielfältige Weise zu verändern. So könnte beispielsweise ein Regisseur von Indie-Filmen beim Dreh einer schwierigen Szene eine Einstellung live über die sozialen Medien an Fans aussenden, um Feedback darüber zu erhalten, wie sich die Szene besser gestalten ließe. Künstler und Kreative werden via massentauglichem Video-Live-Streaming ganz anders mit ihren Fans kommunizieren und diesen neue Möglichkeiten zur Kollaboration eröffnen.

Auch das Privatleben wird sich verändern. Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Veranstaltung in Echtzeit checken, bevor Sie entscheiden, ob Sie hingehen oder nicht. Sie wissen nicht, ob Sie die Party Ihrer Freunde besuchen sollen? Dann bitten Sie die Gastgeber doch, ihre Feier auf Meerkat zu stellen. So ähnlich entstand Meerkat übrigens auch: Firmengründer Ben Rubin und zwei Partner programmierten eine Frühversion ihrer App (die damals noch Yevvo hieß), damit sie einander ausgewählte Szenen von einer Technologiekonferenz schicken konnten. Zweifelsohne wird die Tatsache, dass jeder von uns als TV-Sender fungieren kann, nicht nur die sozialen Medien verändern, sondern wahrscheinlich auch unsere gesamte Lebensweise.

Natürlich wird diese Entwicklung auch globale und politische Folgen haben. Wenn jeder Smartphone-Besitzer auf diesem Planeten jederzeit jede beliebige Szene in Echtzeit via Internet übertragen kann, wird das den Informationsaustausch in bisher kaum vorstellbarer Weise demokratisieren. Man denke nur an die zentrale Rolle, die Twitter 2011 während der ägyptischen Revolution gespielt hat. In vielen Fällen wurden die sozialen Medien für die Menschen vor Ort zum neuen Draht in den Welt; hier konnten sie live und in Echtzeit mitteilen, was sich gerade wirklich abspielte. Sie können sich ausmalen, um wie viel wirksamer Live-Video-Übertragungen von derart weltbewegenden Ereignissen wären. Mit derartigen Updates würden Zuschauer Einblicke in Vorkommnisse und Orte erhalten, wie sie früher nie möglich gewesen wären.

Meerkat-Gründer Rubin bezeichnet diese Bewegung als „spontanes Zusammensein.“ Dieser Begriff ist sehr treffend. Im Prinzip befähigen diese Technologien den Einzelnen dazu, mit einer größeren Gruppe von Menschen Verbindung aufzunehmen, unabhängig von dem Ort, an dem er sich gerade befindet. Diese Art von Apps bieten einen neuen Weg, um Erfahrungen und Informationen auf unverfälschte, ehrliche und unzensierte Art mit anderen zu teilen. Und darauf darf man durchaus gespannt sein.

Anm. d. Red.: Inzwischen hat Meerkat bekanntgegeben, sein Format erweitern zu wollen. Die Neuauflage von Meerkat wird Mitte des Jahres erwartet. 

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