Wie große Marken in sozialen Medien Humor einsetzen (und warum Sie das auch tun sollten)

“People don’t buy from clowns”. Das berühmte Zitat von Claude C. Hopkins mag 1923 zutreffend gewesen sein, aber die Zeiten haben sich geändert. Einige der größten und bekanntesten Marken der Welt setzen auf Humor in sozialen Medien, um ihre Produkte über die unterschiedlichen Plattformen zu verkaufen.

Wir alle lachen gerne, und wenn wir uns überlegen, wem wir auf Twitter oder Facebook folgen sollen, liegen in der Regel die Marken vorne, die uns zum Schmunzeln bringen. Tatsächlich gehören unterhaltsame Inhalte zu den Top 5 Gründen, warum User bestimmten Unternehmen oder Personen online folgen.

Humor in sozialen Medien einzusetzen, ist aber nicht jedermanns Sache und mag manchen Unternehmen als zu riskant erscheinen. Doch richtig gemacht, können ein paar Lacher von großem Vorteil für Ihre Social Media-Präsenz und Ihren Unternehmenserfolg sein.

Warum sich das Risiko lohnt?

Menschen lachen gerne. Lachen kann die Laune verbessern, hilft über peinliche Situationen hinweg und trägt dazu bei, einen guten Draht zu anderen aufzubauen. Es gibt unzählige Gründe, warum Ihre Zielgruppe positiv auf lustige Inhalte reagieren wird. Wie das Ihnen und Ihrem Unternehmen hilft?

Humor weckt Aufmerksamkeit und hält uns bei der Stange!

Im heutigen Stream-Informations-Overload kann Ihr Content leicht verloren und dadurch unbemerkt untergehen. Wenn wir etwas Witziges oder Unerwartetes sehen, erregt das sofort unsere Aufmerksamkeit und hilft Ihnen, sich von all dem digitalen „Rauschen” abzusetzen.

R/GA ist eine Kreativ-Agentur aus New York und eines der unverschämtesten Unternehmen im Twitterversum. Ihre durchweg schlagfertigen Antworten und cleveren Inhalte überraschen, bringen einen zum Grübeln und zum Kichern.

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„Du findest mich auf dem großen Feld. Ich bin die Erwachsene, die albern auf dem Feld herumrollt“

Sie haben auch keine Scheu davor, sich über Ihre eigene Branche lustig zu machen, was uns nicht nur schmunzeln lässt – so ein starkes Selbstvertrauen hilft der Agentur dabei, sich als Vorreiter zu etablieren.

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„Video ist das nächste große Ding. Habe ich in einem Artikel gelesen.“

Humor macht Sie unvergesslich

Einige Online-Anzeigen sind so witzig, dass man sich zunächst nicht an die Marke erinnert. Die Botschaft selbst bleibt aber hängen. Wenn uns etwas zum Lachen bringt, werden wir es eher teilen und uns daran erinnern wenn die Zeit der Kaufentscheidung gekommen ist. Erstaunliche 70 Prozent der User, die einem Unternehmen auf Social Media folgen, sind dazu bereit einen Kauf zu tätigen. Nutzen Sie das aus, seien Sie einprägsam. Selbst wenn Ihr Content keinen direkten Bezug zur Marke hat, kann Ihre Botschaft durch die Tonalität und Art der Bereitstellung mit ihrer Markenidentität in Verbindung gebracht werden.

Das Social Media-Team von Old Spice veröffentlicht keinen einzigen Post, der nicht zu 100 Prozent ihrer weltbekannten Marke entspricht. Im nachfolgenden Beispiel wird weder Old Spice erwähnt, noch sonst irgendetwas über ihre Produkte. Es funktioniert trotzdem, weil es witzig und einprägsam ist und ihrer Markenidentität vollkommen entspricht.

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„Wenn Leute sagen ‚das ist mein liebster Platz auf der ganzen Welt‘, müssen Sie ‚auf der ganzen Welt‘ nicht unbedingt dazu sagen. Wir wissen das.“

Das Old Spice Humor hat, zeigt auch der nächste Screenshot, eine Twitter-Anzeige in der die deutschen Mädels angesprochen werden.

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Auch die deutschen User finden die Old Spice-Werbung lustig, das zeigen die Kommentare auf Twitter:

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Humor ruft eine emotionale Reaktion hervor

Wenn wir lachen oder schmunzeln werden Neurotransmitter, sogenannte Endorphine, in unserem Gehirn freigesetzt. Endorphine sind dafür verantwortlich, dass wir uns glücklich fühlen und sie helfen uns Stress zu bewältigen. Ein herzhaftes Lachen hilft uns, negative Emotionen loszulassen, die auf die Stimmung schlagen können. Das macht uns glücklicher und entspannter. Bringt uns ein Unternehmen zum Lächeln, fühlen wir uns diesem genauso verbunden, wie unseren Freunden nach einer tollen gemeinsamen Zeit.

Haribo Kanada nimmt mit  #GoldbearsOfCanada die rund um die Welt bekannten „Humans of New York“ auf den Arm und gibt ihren berühmten Gummibären eine Stimme. Das ist nicht nur amüsant, man fühlt sich den kleinen Gummibären auf seltsame Weise verbunden. Ihre Follower geben ihnen recht, denn diese Bilder erhalten die höchsten Like-Zahlen auf ihrer Instagram-Seite.

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„Wir haben uns vor einiger Zeit in der Tüte getroffen. Normalerweise sind wir zu viert. Wir sind beide rot, die anderen sind orange und grün, sind aber noch nicht da. Wir treffen uns jeden Morgen zum Spazierengehen.“

Humor darf auch mal nassforsch sein

Smoothy-Hersteller True Fruits ist besonders forsch und vermarktet seine Produkte mit schrägem Humor, der bereits engagierte Feministinnen aufregte. Einen Shitstorm hat das Unternehmen aber humorvoll entwaffnet. Manchmal geht es eben auch darum, einfach die Linie zu halten, wie der nachfolgende Facebook-Post zeigt.

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True Fruits spielt gerne mit frechen Hashtags

Humor zeigt, dass Sie menschlich sind

Humor erlaubt es Ihnen, die zugänglichere, menschliche Seite Ihres Unternehmen zu zeigen.

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„Happy Thanksgiving. Das Tragen von Jogginghosen ist jetzt genehmigt.“

Die Airline Virgin America macht das in ihrem Instagram-Profil sehr gut. Oft sind Mitarbeiter an Feiertagen wie Halloween oder Thanksgiving auf den Fotos zu sehen – ausgelassen und verspielt.

Ihre Mitarbeiter auf amüsante Weise zu zeigen, kann sehr gut für Ihr Betriebsklima und die Arbeitsmoral sein. Zudem machen Sie Ihr Unternehmen so für Ihre Follower und Kunden anfassbar” und stellen Nähe auf persönlicher Ebene her.

Jetzt zum schwierigen Teil: Wie macht man es richtig?

Sie haben beschlossen, Ihre Social Media-Strategie mit Humor zu würzen? Das wird lustig! Bevor Sie anfangen, sollten Sie jedoch ein paar Dinge beachten, damit Sie auch wirklich alles richtig machen.

Kennen Sie Ihre Zielgruppe

Möglich, dass Ihr Social Media-Manager oder Ihr Team etwas lustig findet. Aber kann sich Ihre Zielgruppe auch damit identifizieren? Der witzigste Inhalt ist nur dann nützlich, wenn er den Kern Ihrer Fanbase anspricht.

Die Restaurantkette Denny’s kennt ihre junge Zielgruppe. Als ihnen Gucci Mane, ein US-Amerikanischer Rapper mit einem Eis-Tattoo auf der Wange auf Twitter folgte, haben sie sich das umgehend zunutze gemacht. Das Ergebnis? Über 1.000 Favoriten und 800 Shares auf der Plattform.

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„Hol das Eis raus!“

Seien Sie zugänglich

Humor öffnet Türen und ist eine ausgezeichnete Möglichkeit für Ihre Fans und Follower, sich mit Ihnen und Ihrer Marke zu identifizieren.

Newcastle Brown Ale ist sehr gut darin, zu sagen was alle denken, bevor man überhaupt weiß, dass man es denkt.

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„Heute ist der nationale Tag des Bieres! Trinken Sie ein eiskaltes Newcastle und tun Sie so als würde Sie das interessieren.“

 

Bleiben Sie aktuell

Große Events (wie die Fußballweltmeisterschaft oder die Champions League) und Feiertage sind der perfekte Zeitpunkt, um Ihr Social Media-Profil mit etwas Humor aufzupeppen. Halten Sie mit Ihrer Marke und Ihrer Zielgruppe im Hinterkopf rund um beliebte Events und Hashtags Ausschau nach Möglichkeiten, um auf Ihren witzigen Post aufmerksam zu machen.

Toilettenpapier muss nicht dröge beworben werden. Charmin hat das zum Vatertag mit einem Video über Papas Morgenroutine” perfekt hinbekommen. Das Filmchen spielt dezent mit Gossenhumor, präsentiert dabei die Marke und bringt uns zum Lachen.

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„An alle Väter bei ihrer Morgenroutine: Wir wünschen fröhlichen Vatertag!“

Auf Twitter sorgte der Hashtag #HappyFathersDay für zusätzliche Reichweite des ursprünglichen Posts. Beim Teilen des Videos auf Facebook wurde der Hashtag dann weggelassen. Charmin hat damit jeden Post perfekt an die dafür vorgesehene Plattform angepasst.

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„An diesem Vatertag ehrt Charmin Väter für das, was sie mit Hingabe tun. Schauen Sie sich unser tiefempfundenes Video von, ehm, irgendeinem Sitz an…“

Werden Sie interaktiv

Zuviel Aufwand, selbst etwas Lustiges zu kreieren? Sie können auch mit frechen und geistreichen Antworten für LOLs sorgen.

Taco Bell macht das dauernd. Und sie machen es richtig gut.

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„Jungs oder Taco Bell? Klar, wen man in jedem Fall vorzieht.“ „Tacos sind besser als Menschen“.

 

Stellen Sie lustige Menschen ein

Die Entscheidung zu treffen, witzig zu sein, ist eine Sache. Aber sind Sie das auch? Wollen Sie einen guten Eindruck in den sozialen Medien hinterlassen, müssen Sie die richtigen Texter und Kreativen einstellen. Stellenausschreibungen von Markenunternehmen für versierte Comedians und witzige Texter findet man überall.

Ein paar lustige Tweets zu schreiben, kann doch nicht so schwer sein – vor allem wenn man sich die einfachen Texte großer Marken ansieht. Sich aktuelle, zur Marke passende, geistreiche, aber nicht provozierende Inhalte auszudenken, die Ihre Zielgruppe ansprechen, ist aber keine leichte Aufgabe. Wenn Sie Ihr Social Media-Team zusammenstellen, ist es wichtig ihre Markensprache zu berücksichtigen und die richtigen Leute für diesen Job auszusuchen. Es gibt außerdem Tools, die Content vorschlagen, damit Sie die für Ihre Ziele besten Inhalte erstellen können.

Bauen Sie Ihre Reichweite aus

Haben Sie einen wirklich komischen Facebook-Post oder Tweet erstellt? Vergessen Sie nicht, dafür zu werben. Wenn Sie nur einen kleinen Betrag Ihres Werbebudgets für Ihre Inhalte ausgeben, kann das die Anzahl der User, die sich Ihren Post ansehen, erheblich erhöhen. Ist er wirklich so lustig wie Sie denken, lohnt es sich in die Reichweite zu investieren. Reichweite und Erfolg Ihres Posts hängen von der Zielgruppe ab, die Sie anvisieren, und davon wie viel Geld Sie investieren wollen.

Wenn Humor schiefgeht

Lustig sein heißt oft auch, sich auf dem schmalen Grat zwischen unterhaltsam und beleidigend zu bewegen. Menschen zum Lachen zu bringen, kann mit erheblichen Risiken für das Unternehmen einhergehen. Über die Jahre haben wir so manche PR-Katastrophen erlebt, die nur wegen eines einfachen Tweets oder eines YouTube-Videos entstanden sind.

Eines dieser abschreckenden Beispiele hat im Jahr 2011 Kenneth Cole Cairo fabriziert, als sie anläßlich der Proteste in Kairo einen besonders geschmacklosen Tweet veröffentlichten.

“Millions are in uproar in #Cairo. Rumor is they heard our new spring collection is now available online at http://bit.ly/KCairo-KC.”

(Millionen steigen in #Cairo auf die Barrikaden. Sie haben gerüchteweise gehört, dass unsere neue Frühjahrskollektion jetzt online erhältlich ist …)

Dieser Tweet wurde später gelöscht. Das Unternehmen postete eine Entschuldigung und erklärte darin, man hätte eine ernste Situation mit Galgenhumor auflockern wollen”. Lernen Sie aus solchen Fehlern. Sorgen Sie für Kontrollprozesse, um sicherzustellen, dass Sie sich nicht für einen unangebrachten Kommentar in den sozialen Medien entschuldigen müssen.

Um das Risiko zu reduzieren, denken Sie stets daran: „Check yourself before you wreck yourself“ (was in etwa bedeutet: lieber etwas auf Herz und Nieren prüfen, bevor Sie sich Schaden zufügen”).

Hier sind einige Fragen, die Sie beantworten sollten, bevor Sie auf senden” drücken:

  • Was interessiert meine Zielgruppe gerade in den sozialen Medien und wie wird mein Beitrag in dieser Konversation ankommen?
  • Hat das sonst jemand gesehen? (Und wenn ja, hat diese Person nervös gewirkt?)
  • Wie schlecht stehe ich da, wenn die Leute den Witz nicht wirklich verstehen?
  • Ist das die richtige Markensprache und der richtige Ton?
  • Wer könnte sich dadurch verletzt oder angegriffen fühlen? (Eigentlich eine offensichtliche Frage, aber es lohnt sich es sich, sich daran zu erinnern.)

Humor ist riskant, aber es lohnt sich

Wie Facebook CEO Mark Zuckerberg sagte: Das größte Risiko ist es, keine Risiken einzugehen… In einer Welt, die sich rapide verändert, ist das Vermeiden von Risiken die einzige Strategie, die garantiert versagt.”

Ihm ging es zwar nicht darum, kluge Witze in den sozialen Medien zu reißen, aber das Prinzip ist auch dafür anwendbar. Das Social Web wird immer lauter, und für Unternehmen ist es eine Herausforderung, die richtige Zielgruppe an sich zu binden. Wenn Sie in den sozialen Medien aber stets auf Nummer Sicher gehen, gehen Sie unter Umständen ein noch größeres Risiko ein: Irrelevanz.

 

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