Fernsehen und Social Media

Fernsehen und Social Media – Wie sich unser Fernseherlebnis verändert

Sonntagabend 20:15 Uhr, Füße hoch, Fernseher an. Fernsehen ist nach wie vor eine der liebsten Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Rund 217 Minuten täglich läuft hierzulande die Flimmerkiste.

Auch wenn der Fernsehkonsum nach wie vor hoch ist, schauen mittlerweile mehr als 75% aller Internetnutzer in Deutschland Videos per Stream. Vor allem die 14-29-jährigen sind im Internet unterwegs. Vermehrt werden auch soziale Netzwerke für Video-Streaming verwendet. Allein auf YouTube werden pro Minute rund 300 Stunden neues Videomaterial hochgeladen. Kein Wunder also, dass fast jeder Fernsehsender inzwischen auch einen YouTube-Kanal hat. Von Werbeclips über Hintergrundinformationen zu Sendungen bis hin zum eigenen YouTube-Programm ist alles dabei. Trotzdem ist bei den Social Media-Auftritten vieler Fernsehsender bei genauerem Betrachten in Punkto Kreativität noch Luft nach oben. Gerade auf Plattformen wie Instagram und Snapchat bieten sich ganz neue Möglichkeiten für die filmische Präsentation.

Unternehmen bedienen sich schon seit einiger Zeit Social Media, um visuelles Storytelling in ihre Marketingstrategien einzubauen. Aber wie lassen sich Social Media und Fernsehen kombinieren? Gibt es in den sozialen Medien überhaupt Möglichkeiten filmisches Material jenseits Werbeclips auf YouTube umzusetzen? Eine der größten Herausforderungen sind die Schnelllebigkeit und der flüchtige Medienkonsum. Twitter, Snapchat u. Co leben von kompakten Informationen und deren Kurzlebigkeit: auf wenige Sekunden begrenzte Video-Clips und Material, dass nach wenigen Stunden entweder kaum noch aufzufinden oder – im Falle von Snapchat – gar gänzlich in der Versenkung verschwindet.

Keine leichte Aufgabe, aber machbar, wie einige Beispiele zeigen.

iam.Serafina – Realität und Fiktion verschwimmen auf Snapchat

Anfang Oktober ging Deutschlands erste Snapchat-Soap live. Produziert wurde sie von PULS, dem Jugendsender des BR. In dem zweiwöchigen Experiment konnten Fans der 19-jährigen Serafina quer durch München folgen und hautnah miterleben, wie sie ihren ersten Liebeskummer meisterte, ein Praktikum in den Sand setzte und auf dem Oktoberfest tanzte. Außer einem groben Drehbuch, wurde im Grunde alles den Hauptdarstellern überlassen, die gleichzeitig auch Kameraleute und Cutter waren. Von der Aufnahme ging es direkt zur Veröffentlichung. Nachbearbeitung jenseits der allseits bekannten Snapchat Filter gab es nicht. Zusätzlich konnten Fans in Echtzeit mit der Hauptdarstellerin interagieren.

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwammen bei diesem Experiment noch mehr als bei herkömmlichen Reality-Formaten: Um die Geschichte erzählen zu können, musste diese zum Alltag werden. Die Nähe zur Hauptdarstellerin Franca Serafina Bolengo war beabsichtigt. Wenn das Drehbuch vorschrieb, dass nachts von einer Party gesnappt wird, dann musste das live geschehen. Aufzeichnungen Fehlanzeige. Die Soap-WG musste für die Dauer der Serie auch im echten Leben zusammen wohnen.

Diese Echtheit und die Unmittelbarkeit zog die Zuschauer in den Bann. Das Publikum ist bei derartigen Formaten viel näher am Geschehen, als dies bei einer herkömmlichen TV-Serie jemals der Fall sein könnte. Rund 14.000 Zuschauer hatte iam.Serafina pro Snap. Anfang 2017 soll es sogar eine Fortsetzung geben.

Shield 5 – der Instagram-Krimi

Social Cinema” wollten Anthony Wilcox und Adam Dewar, die Macher von Shield 5, kreieren. Die 28-teilige Multimedia Krimiserie startete im Februar 2016 auf Instagram und besteht aus Bildern und kurzen Clips mit einer Maximallänge von 15 Sekunden. Im Mittelpunkt steht John Swift, der flüchtige Fahrer einer Londoner Sicherheitsfirma, der eines Diamantenraubes und des Mordes an einer Kollegin beschuldigt wird. Schaut man alle folgen hintereinander an, entsteht daraus ein 7-minütiger Kurzfilm. 

In der Kürze liegt die Würze: stellt einerseits die zeitliche Begrenzung der einzelnen Clips eine enorme Herausforderung dar, so ist es gleichzeitig genau das, was den Reiz des Formats ausmacht. Die Bilder funktionieren dabei als Ergänzung zu den kurzen Videoclips, denn Hintergrundinformationen zu Charakteren und Handlung sind über die 15-sekündigen Clips allein kaum zu vermitteln.

Shield 5 war ein großer Erfolg und nahm sogar zwei Auszeichnungen des Raindance Web Fest mit. 

 

Storytelling Netz – darauf kommt es an

Dass visuelles Storytelling auf Social Media ausschlaggebend ist, ist kein Geheimnis. Das gilt für Medienhäuser, Filmschaffende und Unternehmen gleichermaßen. Doch was genau macht eine gute Geschichte aus und was zieht Menschen in den Bann?

Spannende Geschichten mit CSI

Für erfolgreiches Storytelling sind die CSI-Faktoren und Modell, an dem man sich gut orientieren kann. CSI beschreibt Credibility (Glaubwürdigkeit), Stimulation und Involvement (Einbezug des Betrachters). Das gilt besonders im Netz, wo die Konkurrenz enorm hoch ist. Geschichten müssen authentisch rüberkommen. Ob es sich um Werbung oder um Miniserien, wie die oben beschriebenen handelt: Glaubwürdigkeit steht an oberster Stelle.

Das Publikum möchte durch Geschichten bewegt, angeregt und inspiriert werden. Ein guter Messwert dafür ist das Engagement des Publikums. Um den Zuschauer einzubeziehen sind Schnittpunkte mit dem Leben des Betrachters unabdingbar. So lässt sich auch der Erfolg von iam.Serafina erklären. Die Zielgruppe – junge Frauen und Mädchen bis 21 Jahren – wurde nicht nur durch die verschwimmende Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion erreicht, auch das Medium war hier eines, das speziell bei Jugendlichen gut ankommt.

Social TV – Interaktion ist der Schlüssel zum Erfolg

Ob eine Kampagne oder ein Format gut ankommt lässt sich unter anderem daran bemessen, wie hoch die Interaktionsrate in den sozialen Medien ist. Nicht immer muss es gleich eine ganze Instagram- oder Snapchatserie sein. Social TV – also die parallele Nutzung von Fernsehen und Internet über den Second Screen – stellt für die Macher von TV-Formaten eine weitere Möglichkeit in Kontakt mit dem Publikum zu treten. Ob Tatort, Berlin Tag und Nacht oder die Fußball EM: Zuschauer nutzen ein weites digitales Endgerät um sich auf sozialen Plattformen live mit anderen Zuschauern über das Geschehen auf dem Bildschirm auszutauschen.

Besonders Twitter ist seit Beginn zur Echtzeit-Interaktion zwischen TV-Zuschauern beliebt. Sogar alteingesessene Shows wie der Tatort erfreuen sich großer Beliebtheit bei Twitter. Das Erste nutzt diese Gelegenheit mit Fans in Kontakt zu treten. Eine gute Methode Feedback zu erhalten. Für das Publikum ist das um einiges angenehmer als einen Leserbrief zu verfassen (gibt es die überhaupt noch?)

Dinge wie Social Cinema oder Social TV könnten eine ganz neue Form der Content-Kreation ins Leben rufen, bei der das Publikum noch nie dagewesene Interaktionsmöglichkeiten hat. Auch wenn Formate wie Shield5 oder iam.Serafina in nächster Zeit wahrscheinlich nicht ausgefeilte Fernsehformate ersetzen werden, so können sie doch eine gute Ergänzung darstellen. Es steht außer Frage, dass die sozialen Medien immer wichtiger werden und Publisher durchaus gut beraten sind, sich dementsprechend an ihre Zielgruppe anzupassen. Besonders interessant beim Broadcasting über Social Media ist die erleichterte Abrufbarkeit über’s Smartphone. Warum nicht einfach mal einen Krimi schauen, während man auf den Bus wartet? Wir sind gespannt, was als nächstes kommt.

Was halten Sie von den Instagram- und Snapchatserien? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Kommentarbereich mit.

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