Virtual Reality startet durch – und 4 weitere Social Media-Trends für 2016

Dieser Post wurde ursprünglich auf Fortune veröffentlicht.

Für die sozialen Medien war es ein denkwürdiges Jahr: 2015 erlebte die Einführung von Social Media-Live-Streaming, wobei Apps wie Periscope und Meerkat die Early Adopters schnell überzeugten. Snapchat wurde seinen Ruf als Nischen-Netzwerk endgültig los und hat heute mehr als 200 Millionen aktive Nutzer. Und Video dominierte die Schlagzeilen zum Thema soziale Medien: Facebook-User rufen mittlerweile geschätzte 8 Milliarden Videos am Tag ab (mehr als YouTube, wenn man manchen Statistiken glaubt).

Was erwartet den Social Media-Nutzer im Jahr 2016? Nun, wir können damit rechnen, dass neue Technologien die Art, wie wir mit sozialen Medien umgehen, grundlegend verändern werden – es wird neue Möglichkeiten wie Shopping geben, und wir werden immer lebendigere Echtzeit-Erfahrungen machen können. Andererseits besteht die Gefahr, dass durch die neuen Funktionalitäten und die schier unendliche Vielzahl an Möglichkeiten manche Benutzer auf der Strecke bleiben. Lassen Sie mich trotzdem einen Blick in die Kristallkugel werfen und Ihnen fünf Social Media Trends für 2016 vorstellen, die die Social Media-Nutzung entscheidend verändern werden.

Virtuelle Realität erobert die sozialen Medien.

Stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihren Freunden online nicht mehr nur einzelne Momente, sondern ganze Erlebnisse und Abenteuer teilen können.“ Diesen Satz schrieb Mark Zuckerberg, nachdem Facebook sich im März 2014 für 2 Milliarden Dollar das Virtual-Reality-Unternehmen Oculus einverleibt hatte. Nun, wir werden uns das nicht mehr lange vorstellen müssen … Facebook hat nämlich bereits damit begonnen, Oculus-Technologie in seinen Service 360 Video einzubauen. Diese speziellen Videos, die im Rahmen der Newsfeeds eingeführt wurden, lassen den User aufgenommene Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln erleben, weil man hier nach rechts oder links, oben oder unten usw. schauen kann – und das sowohl im Web als auch auf Mobilgeräten. Das ermöglicht eine viel lebensnahere Social Media-Erfahrung.

Bisher haben Medienkonzerne wie Vice und der Disney Channel „360 Video“-Angebote zur Verfügung gestellt – und dazu gibt’s noch einen wirklich coolen Videoclip aus dem neuen Star Wars Film: Das Erwachen der Macht. Für 2016 sind mehr immersive Videos zu erwarten, da Verleger und sogar Marken bei der neuen Technologie aufholen und zunehmend Content dafür entwickeln. In den nächsten Wochen soll auch die Consumer-Version des Virtual-Reality-Headsets Oculus Rift auf den Markt kommen und erstmals echte, vollständig immersive virtuelle Realität bieten. Dadurch eröffnen sich noch mehr interessante Möglichkeiten für unsere Newsfeeds. Oculus VR hat bereits eine neue „Social“-App veröffentlicht, die Oculus Social Alpha heißt und mit dem Samsung Gear-VR-Headset verwendet werden kann. Die Software soll den virtuellen Kinobesuch ermöglichen und dem User das Gefühl geben, in einem Kinosaal zu sitzen und zusammen mit anderen ein Video in Echtzeit zu betrachten. Dabei wird es sich wahrscheinlich um die erste echte Social Media-Anwendung der neuen Facebook-Technologie handeln.

Social Media-Shopping setzt sich durch.

Im vergangenen Jahr haben sowohl Twitter und Facebook als auch Instagram und Pinterest ihre integrierten Kauf-Buttons der Öffentlichkeit vorgestellt oder aktualisiert. Damit können alle Benutzer dieser sozialen Netzwerke jetzt Kleidung, Kunsthandwerk, Gadgets und andere Waren mit einem Mausklick einkaufen, ohne dabei ihre Feeds zu verlassen. Diese Entwicklung war in vieler Hinsicht überfällig. Wir entdecken bereits seit längerem Produkte in den sozialen Medien und reden dort auch darüber; vier von fünf Befragten geben an, dass Beiträge von Freunden einen direkten Einfluss auf ihre Kaufentscheidungen haben. Dazu kommt, dass in Ländern wie China und Korea schon längst eine E-Commerce-Funktionalität in die diversen Social Media-Kanäle integriert ist.

Das größte Hindernis in Nordamerika war bisher die Benutzerfreundlichkeit. Wenn wir in den sozialen Medien einkaufen wollten, mussten wir andere Websites anklicken (was vor allem auf Smartphones problematisch ist) oder hatten nur eine begrenzte Auswahl, wie das etwa bei den mittlerweile eingestellten „Facebook Gifts“ der Fall war. Durch Innovationen wie Buyable Pins von Pinterest ist es uns nun aber möglich, zwischen einzelnen Farben oder Stilen auszuwählen und dann auch gleich zu bezahlen, ohne die Plattform verlassen zu müssen. Für 2016 ist daher zu erwarten, dass die sozialen Netzwerke sich von Kanälen, deren E-Commerce-Hauptfunktion in Verweisen auf andere Websites bestand, zu Plattformen mit integrierter Einkaufsmöglichkeit weiterentwickeln.

Facebook Live macht Live-Streaming massentauglich.

Das Jahr 2015 begann voller Begeisterung über die neuen Live-Streaming-Apps, mit denen Social Media-Nutzer Echtzeitvideos für ihre Follower übertragen konnten. Im Spätsommer durfte sich die zu Twitter gehörende App Periscope bereits über 10 Millionen aktive User freuen; im Januar 2016 kürte Apple den Dienst zur besten iOS-App 2015.

Es ist anzunehmen, dass Live-Streaming in den kommenden Monaten ein völlig neues Massenpublikum erreichen wird, da auch Facebook kurz davor steht, seine eigene Mobil-Streaming-Funktionalität zu implementieren, die im allgemeinen als „Facebook Live“ bezeichnet wird. Ausgewählte iOS-User in den USA durften die Neuerung bereits im Betatest ausprobieren und selbst erleben, wie sich damit Live-Videos in Echtzeit über die Facebook-Plattform teilen lassen. Entscheidend dabei ist, dass man keine spezielle App herunterladen oder aus Facebook aussteigen muss, um die neue Videofunktionalität nutzen zu können. Wenn Facebook Live wie geplant auf den Markt kommt, wird es wahrscheinlich nicht nur alle anderen Live-Streaming-Dienste quantitativ in den Schatten stellen, sondern auch noch die Art, wie die 1,5 Milliarden Facebook-User die Plattform nutzen, grundlegend ändern.

Die Social Media-Qualifikationslücke am Arbeitsplatz wird größer.

Durch den enormen Zuwachs an berufsbezogenen Social Media-Netzwerken wie Slack (wo sich vor Kurzem mehr als eine Million User gleichzeitig eingeloggt hatten) und den bevorstehenden Start von Facebook at Work ist die Nutzung sozialer Medien im Büro vom Tabu zur Job-Anforderung avanciert. Unternehmen arbeiten heute mit Social Media-Tools, um die firmeninterne Kommunikation zu straffen, den Kontakt zwischen Vertrieb und Kunden zu verbessern und nutzen Social Media natürlich für ihr Marketing und ihre Werbemaßnahmen. Das Problem: exponierte Mitarbeiter sind der neuen Herausforderung nicht gewachsen. Unter den 2.100 Unternehmen, die von der Harvard Business Review befragt wurden, hatten nur 12 Prozent der Firmen, die mit Social Media arbeiten, den Eindruck, dieses Medium effektiv zu nutzen. Sogar die Generation Y, die mit sozialen Medien aufgewachsen ist, entspricht hier nicht den Erwartungen: „Nur weil jemand von klein auf mit Social Media umgehen gelernt hat, heißt das noch lange nicht, dass er auch am Arbeitsplatz ein Experte dafür ist“, erklärt William Ward, Professor für Social Media an der Syracuse University.

Die Folgen dieser Social Media-Qualifikationslücke lassen sich bereits erkennen – in den Ausrutschern, die Unternehmen in den sozialen Medien passieren. Das reicht von zweckentfremdeten Hashtags (siehe #WhyIStayed) bis zu zeitlich vorausgeplanten Posts, die „verschwinden”; ganz zu schweigen von den Billionen Dollar (ja, Billionen!) durch Minderung der Produktivität und Verlust von Unternehmenwerten. 2016 halten Social Media-Trainings endlich Einzug am Arbeitsplatz, um die Qualifikationslücke zu schließen – ähnlich wie bei den Ausbildungsinitiativen, die nach Einführung von unternehmenskritischen Tools wie Office-Software-Lösungen und später E-Mail und Internet gestartet wurden. Schon heute gibt es eine Reihe von Online-Kursen, bei denen der Nutzer den Zeitaufwand selbst bestimmen kann, sowie Video-Lernmodule für den Arbeitsplatz. (Wir von Hootsuite bieten unseren Kurs gratis an.)

Der Kundenservice über soziale Medien wird sich stark verbessern.

Den Kundenservice über soziale Medien abwickeln? Das klang von Anfang an nach einer hervorragenden Idee. Warum am Telefon auf einen Mitarbeiter warten, wenn man doch genauso gut einen Tweet absetzen und sofort Antwort erhalten kann? Die Wahrheit sah jedoch ganz anders aus: Eine neue Studie, zu der 500 führende Einzelhandelsfirmen befragt wurden, konnte nachweisen, dass nur 20 Prozent dieser Unternehmen Fragen beantworten, die via Twitter gestellt werden – und nur 54 Prozent auf Facebook-Anfragen reagieren. Dabei beträgt die durchschnittliche Antwortzeit 27 bis 31 Stunden! Abgesehen davon eignen sich natürlich nicht alle Kundenservice-Anfragen dazu, in einem öffentlichen Forum behandelt zu werden…

Erfreulicherweise zeichnet sich auch in diesem Bereich eine Veränderung ab. In den letzten Monaten des Jahres 2015 haben sowohl Twitter als auch Facebook ihre Kundenservice-Funktionalität erheblich verbessert. Twitter strich bei seinen Direktnachrichten die Bedingung, dass beide Teilnehmer einander folgen müssen – das heißt, dass Unternehmen und Kunden nun direkten und vertraulichen Kontakt zueinander aufnehmen können. Gleichzeitig fiel die bekannte 140-Zeichen-Grenze für Direktnachrichten, sodass sich diese Kommunikationsform mittlerweile wunderbar als One-on-one-Kanal zur Lösung von Kundenproblemen eignet. Facebook will sich in diesem Bereich nicht ausstechen lassen und hat daher bereits eine Betaversion seines Messenger Business im Test; dieser Dienst soll Unternehmen einen auf der Chat-Technologie aufbauenden Weg eröffnen, in Echtzeit persönliche Gespräche mit Kunden zu führen. Angesichts der Tatsache, dass der Messenger schon heute von mehr als 800 Millionen Menschen genutzt wird, liegt die Idee nahe, dass diese neue Funktion sich in den nächsten paar Jahren zum allgegenwärtigen und bestens für Mobilgeräte geeigneten Kundenservice-Kanal entwickeln wird.

Die größte Veränderung, die sich derzeit in den sozialen Medien abzeichnet, ist wahrscheinlich der Wandel der verschiedenen Netzwerke zu „Plattformen für alles“. Twitter dient nicht mehr nur dazu, genau 140 Zeichen lange Updates zu versenden, sondern eignet sich mittlerweile auch für den One-on-one-Nachrichtenaustausch, Video-Sharing, Kundenservice und anderes. Bei Facebook geht es nicht mehr ausschließlich darum, mit Freunden Verbindung aufzunehmen; heute (oder demnächst) ist das Social Media-Netzwerk dann auch ein Produktivitäts-Tool für den Arbeitsplatz, eine Plattform für Video-Sharing und -Streaming, ein Einkaufszentrum usw. Bei LinkedIn, Instagram, Pinterest, Snapchat und anderen Netzwerken lassen sich ähnliche Entwicklungen beobachten. So werden soziale Medien von einer privaten Aktivität zum selbstverständlichen Bestandteil aller menschlichen Aktivitäten. Und dieser Trend zeigt keine Anzeichen einer Stagnation.

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