Snapchat-Nutzer

Was wir von älteren Snapchat-Nutzern lernen können

Blog   /   Social
February 10, 2017

Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei LinkedIn.

„Hey, Snapchat!“ Mit diesen Worten und einem direkten Blick in die Smartphone-Kamera leitet der 48-jährige Mark Suster seine täglichen Snapchat-Videos ein. Normalerweise würde man so eine Begrüßung von einem Teenager erwarten, der die coole App benutzt. Mark hat jedoch graues Haar, trägt ein konservatives Hemd mit Vichy-Muster und ist ein erfahrener Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Damit wirkt er hier – wenigstens für den flüchtigen Betrachter – ziemlich fehl am Platz.

Schließlich soll die App doch das momentan angesagteste soziale Netzwerk für Teenager sein … und nicht für deren Väter. 60 Prozent der Snapchat-Nutzer sind noch keine 25 Jahre alt.

https://twitter.com/msuster/status/707967414168723456

Warum also teilt Mark seine weisen Ratschläge (zu für Teens uninteressanten Themen wie mittlere Unternehmensbewertungen oder Seed- und Business Angels-Investitionen) Tag für Tag ausgerechnet auf Snapchat?

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass Mark zu einer wachsenden Gruppe medien-erfahrener älterer Menschen gehört, die derzeit auf den Snapchat-Zug aufspringen. Aktuell stammt mehr als die Hälfte der Neuanmeldungen auf Snapchat von Nutzern über 25. Ich habe diesen demographischen Wandel bei den Benutzern der App selbst beobachtet. Auch unter meinen Branchenkollegen wurde – vor allem in den letzten paar Monaten – immer öfter über das Thema diskutiert. Und ich selbst war im vergangenen Jahr auf Snapchat aktiver, weil ich das Potenzial der App immer klarer erkennen konnte.

Auch die Statistik macht deutlich, dass Snapchat auf dem besten Wege zu einem ernstzunehmenden Akteur in den sozialen Medien ist. Das Netzwerk wird bereits heute von 100 Millionen Menschen täglich genutzt, und die Medien spekulieren schon über einen aktuellen Marktwert von mehr als 20 Milliarden Dollar. Snapchat entwickelt sich zum Mainstream-Kommunikationskanal, genau wie Facebook und Twitter. Und das bedeutet, dass sich Marketingexperten und Geschäftsleute – ob jung oder alt – möglichst schnell in die Thematik einarbeiten sollten.

https://vid.me/dG2u

Sie sind immer noch nicht überzeugt? Wenn Sie sich auf Snapchat in Zurückhaltung üben, weil Sie glauben, zu alt dafür zu sein, dann gibt es ein paar gute Gründe, sich diese Entscheidung noch einmal zu überlegen:

Jetzt ist die beste Zeit zum Einsteigen

Lange bevor er anfing, Snaps zu teilen, hatte Mark Suster getwittert. Da er früh bei Twitter eingestiegen war, konnte er eine stattliche Follower-Anzahl erreichen: eine Viertelmillion Menschen … Tendenz steigend. Nun macht er sich genau diesen Early-Adopter-Vorteil auch auf Snapchat zunutze, um sich von der breiten Masse abzuheben und auch dort Follower zu gewinnen. „Keiner meiner Mitbewerber – Risikokapitalgeber zwischen 35 und 55 Jahren – hat begriffen (oder will begreifen), warum es so wichtig ist, auch über diesen Medienkanal Content zu verbreiten“, sagt er über seine Snapchat-Aktivitäten. „Ich kann daher mein Zielpublikum hier leichter erreichen, als auf Blogs, Twitter, Facebook, LinkedIn etc., wo die gesamte Konkurrenz ihre Beiträge postet.“

Suster ist nicht der erste. Kaum bekannte Leute wurden in Netzwerken wie Instagram oder YouTube prominent, weil sie dort vor allen anderen aktiv waren. Zur Zeit ist nur ein kleiner Teil der Snapchat-Nutzer – nämlich 14 Prozent – 35 Jahre oder älter. Die Moral von der Geschichte: Für ältere Benutzer ist genau jetzt die beste Zeit, auf Snapchat aktiv zu werden und damit zu experimentieren, bevor sich die unvermeidliche Masse an Kollegen, Mitbewerbern und Kunden auf das Netzwerk stürzt.

Sie erreichen eine schwer zugängliche Zielgruppe

Seien wir doch ehrlich: Es ist vor allem die demographische Zusammensetzung, die für den (geschätzten) Snapchat-Marktwert von 20 Milliarden Dollar verantwortlich ist. Im Allgemeinen sind die Snapchat-Nutzer nämlich nach wie vor jung – sogar sehr jung. Im Durchschnitt sind sie 13 bis 25 Jahre alt; Facebook-User in den USA haben hingegen ein Durchschnittsalter von 40 Jahren. Einer aktuellen Studie zufolge rangiert Snapchat bei Nutzern im Teenageralter heute als beliebtestes soziales Netzwerk vor Instagram, Facebook und Twitter.

Marken und Medienunternehmen, die stets Kontakt zur Kundschaft von morgen herstellen wollen, haben dank Snapchat die Möglichkeit, diese begehrte Zielgruppe zu erreichen.

Das Werbepotenzial ist gigantisch

Mehr als ein Drittel der 158 Millionen täglichen Snapchat-Nutzer kreieren „Storys“ auf der App und dokumentieren so mit Photo- und Video-Kollektionen ihren Alltag. Wie sich zeigt, werden diese Storys auch sehr gerne betrachtet. Zum aktuellen Zeitpunkt sehen sich die Nutzer des Netzwerks schwindelerregende zehn Milliarden Videos täglich auf Snapchat an—im Vergleich zu „nur“ acht Milliarden auf Facebook.

Das lässt natürlich auch Werbetreibende aufhorchen. Anfang 2016 hieß es in einem Fachartikel, dass leitende Anzeigeneinkäufer vorhaben, mehr auf Snapchat zu werben, als auf jeder anderen Social Media-Plattform. Da zudem Video auf Mobilgeräten momentan schneller wächst, als jede andere Form digitaler Werbung, ist Snapchat auf dem besten Weg, in den kommenden Monaten und Jahren noch größer zu werden.

Sie können ein treues Publikum aufbauen

Das 40 Jahre alte Snapchat-Phänomen DJ Khaled schloss sich 2015 der Snapchat-Gemeinde an, nachdem ein Freund ihm von dem Netzwerk erzählt hatte. Nur ein Jahr später hat der DJ, Produzent und selbsternannte Musikmogul bereits enorme sechs Millionen Follower auf der Plattform. Und es sind treue Follower. Ein zehn Sekunden langer Snap, der ihn bei alltäglichen Aktivitäten wie beim Gießen seines Vorgartens zeigt, erzielt binnen 24 Stunden drei bis vier Millionen Aufrufe.

Sie können sich leicht vorstellen, wie sehr Khaled von diesen Followern profitiert, wenn er sein neues Album veröffentlicht oder eine Tour ankündigt. Der PR-Wert einer engagierten, bereits fest vorhandenen Anhängerschaft, wie er sie auf Snapchat hat, ist unbezahlbar. Darüber hinaus schätzt Khaled, dass 50 Prozent seiner Follower neue Fans sind, die überhaupt erst durch Snapchat auf ihn aufmerksam wurden. Das soziale Netzwerk ist also auch eine wunderbare Möglichkeit, bekannter zu werden.

Sie können authentisch sein

Im ersten Post auf dem Snapchat-Firmenblog schrieb CEO Evan Spiegel 2012 über die Mission seines Unternehmens: „Wir erstellen eine Foto-App, die nicht irgendwelchen unrealistischen Vorstellungen von Schönheit oder Perfektion entspricht. Stattdessen wird sie die Möglichkeit bieten, lustig oder ehrlich zu sein – oder wie auch immer man sich gerade fühlt, wenn man einen Snap macht und teilt.“ Mit anderen Worten: Snapchat wollte von Anfang an ein ganz anderes soziales Netzwerk sein. Hier geht es nicht darum, ein möglichst positives, attraktives Bild von sich selbst zu vermitteln (wie auf Facebook), sondern authentisch zu sein.

Snapchat blieb seinem Vorhaben treu und ist bis heute das soziale Netzwerk, dessen Nutzer nicht perfekt sein müssen. Für Leute wie Mark Suster ist das eindeutig ein Vorteil: „Ich liebe die Echtheit von Snapchat. Dort muss ich mir keine Allüren zulegen, sondern kann einfach ich selbst sein und versuchen, anderen zu helfen.“

Es funktioniert schnell und einfach

Am meisten Spaß macht bei Snapchat, dass man seine Gedanken mit einem Tastendruck in die Welt hinaus schicken kann. Ich muss nicht erst lange einen Artikel schreiben, sondern kann meinen Followern auf schnelle und mühelose Art kurze Tipps geben oder Ihnen einen Einblick ins mein Privatleben gewähren.“

Snapchat

Eine Snapchat-Spielerei: Mit der „Face Swap“-Funktion habe ich mein Gesicht über das von Steve Carell gelegt.

Da Snapchat-Posts so kurzlebig sind, erfordern sie auch keine lange Vorbereitung oder Tüfteleien. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, dass meine Snaps in meinem „Online-Fußabdruck” verewigt werden, kann daher viel spontaner sein und Ideen schnell aus dem Ärmel schütteln. (Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass alles, was man in den sozialen Medien oder im Internet veröffentlicht, dauerhaft sichtbar bleiben kann. Bei Snapchat sind die Chancen dafür zwar geringer, aber dennoch vorhanden.)

Es wird (in mancher Hinsicht) bald das Fernsehen einholen

2015 sahen 40 Millionen Menschen einen Livestream des Coachella-Musikfestivals – auf Snapchat. (Diese „Live Story“ bestand aus einer Montage aus von Snapchat-Benutzern gefilmten Videos, die über die App von Snapchat-Mitarbeitern kuratiert und gesendet wurde.) Im Vergleich: Die diesjährigen Grammy Awards im Januar erreichten ein TV-Publikum von nur 20 Millionen Zuschauern. Auch in Deutschland gab es schon erste Ansätze, Fernsehunterhaltung und Snapchat zu kombinieren. Im Oktober 2016 produzierte der Jugendsender des BR PULS die erste Snapchat-Soap Deutschlands.

Einem Programm wie den „Grammys“ muss man natürlich wesentlich mehr Zeit widmen, als einem zweiminütigen Snapchat-Stream. Doch die Zahlen weisen auf einen übergreifenden Trend hin: Traditionelle Medienkanäle wie das Fernsehen werden bei den jüngeren Generationen immer unbeliebter. Eine Umfrage von Deloitte ermittelte zum Beispiel, dass Millennials im Alter von 14 bis 25 Jahren Nachrichteninhalte gleich häufig aus dem Fernsehen und aus sozialen Medien beziehen. Geht man nach dem überragenden Erfolg des Snapchat-Livestreams, dann steht das Unternehmen wohl vor einer großen Zukunft als Content-Provider.

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